Die Risiken von Microdosing: Was Sie wissen sollten
Microdosing — die Einnahme sehr kleiner Mengen von Psychedelika wie LSD oder Psilocybin — wird in den Niederlanden immer beliebter. Häufig ist von mehr Fokus, Kreativität oder einer besseren Stimmung die Rede. Dieses Interesse sollte jedoch auch mit einem nüchternen Blick auf die möglichen Risiken einhergehen. In diesem Artikel erläutern wir den aktuellen Kenntnisstand zu den Risiken von Microdosing: auf psychischer und körperlicher Ebene sowie für bestimmte besonders gefährdete Gruppen. Dabei stützen wir uns unter anderem auf die Arbeit von James Fadiman & Jordan Gruber und auf Forschungsdaten des Microdosing Institute (MDI).
Was versteht man unter Microdosing?
Bevor wir uns mit den Risiken befassen: Unter „Microdosing“ versteht man die Einnahme subhalluzinogener Mengen einer psychedelischen Substanz — also keinen vollständigen Trip, sondern gerade genug, um subtile Effekte wahrzunehmen. Fadiman & Gruber beschreiben in ihrem Buch beispielsweise Unterschiede bei Häufigkeit, Dosis und Zielsetzung (Kreativität, Stimmung, Intention) (Fadiman & Gruber, 2021).
Wichtig ist dabei: Dosis, individuelle Verfassung, Kontext und die Kombination mit anderen Substanzen beeinflussen das Risikoprofil.
Welche möglichen Risiken gibt es?
Psychische Risiken
Aus den Informationen des Microdosing Institute geht hervor, dass zu den am häufigsten gemeldeten psychischen Nebenwirkungen verstärkte Angst, zunehmende Paranoia bei entsprechend veranlagten Menschen, emotionale Instabilität in belastenden Phasen und Schlafstörungen gehören (Microdosing Institute, o. J.).
Obwohl einige Anwenderinnen und Anwender von Verbesserungen berichten, gibt es bislang keine groß angelegten kontrollierten Studien, die vollständig ausschließen, dass Microdosing negative Auswirkungen haben kann — insbesondere langfristig (Fadiman & Gruber, 2021).
Bitte beachten Sie: Bei Menschen mit einer Vorgeschichte von Psychosen oder einer bipolaren Störung ist besondere Vorsicht unbedingt erforderlich.
Körperliche und kardiovaskuläre Risiken
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Wirkung von Psychedelika auf das Herz-Kreislauf-System. Einige Psychedelika beeinflussen den Serotoninrezeptor 5-HT₂B, dessen langfristige Stimulation bekanntermaßen mit Herzklappenveränderungen oder Herzfibrose in Verbindung gebracht werden kann (Microdosing Institute, o. J.).
Obwohl es nur wenig direkte Forschung am Menschen zu Microdosing gibt, deuten Tierversuche darauf hin, dass theoretische Risiken bestehen könnten (Microdosing Institute, o. J.).
In einer präklinischen Studie an Mäusen wurden bei LSD-Microdosen während des Untersuchungszeitraums keine signifikanten Veränderungen am Herzen festgestellt — das ist beruhigend, lässt sich jedoch nicht automatisch auf Menschen oder die langfristige Anwendung übertragen (Microdosing Institute, o. J.).
Risiken durch unklare Dosierung und Kombinationen
In der Praxis entstehen zusätzliche Risiken durch Unsicherheiten hinsichtlich Dosis, Reinheit oder Verunreinigung der Substanz. Erfahrungsgemäß ist es insbesondere beim Microdosing mit LSD schwierig, die richtige minimale Dosis exakt abzumessen (Welt.de, 2023).
Von Kombinationen mit anderen Drogen, Alkohol oder Medikamenten wie Lithium sowie von der Anwendung während der Schwangerschaft oder Stillzeit rät das MDI ausdrücklich ab (Microdosing Institute, o. J.).
Tinnitus: möglicherweise positiv und zugleich riskant
Ein besonderer Schwerpunkt innerhalb der MDI-Community ist Tinnitus (Ohrgeräusche). Daten des internationalen Forschungsprojekts Microdose.me (Walsh, 2023) zeigen, dass einige Teilnehmende mit Tinnitus während des Microdosings von einer Verringerung ihrer Beschwerden berichteten. Dies deutet darauf hin, dass Microdosing in bestimmten Fällen einen positiven Einfluss auf die auditive Wahrnehmung und Anspannung haben könnte.
Gleichzeitig hat das Microdosing Institute innerhalb seiner Community anekdotische Berichte gesammelt von Menschen, die während des Microdosings gerade eine Zunahme ihres Tinnitus erlebten. Da das MDI aktiv mit Forschenden zusammenarbeitet, um diese widersprüchlichen Erfahrungen zu erfassen, gehörte die Organisation zu den ersten, die öffentlich auf dieses mögliche Risiko hinwiesen.
Die Ursache ist noch unklar — möglicherweise spielen die Dosis, die Empfindlichkeit gegenüber der Serotoninaktivität oder individuelle Stressreaktionen eine Rolle. Da die derzeitige Evidenz begrenzt und teilweise widersprüchlich ist, gilt Tinnitus als mögliches Risiko, zugleich aber auch als potenziell positiver Effekt, der weiter untersucht werden muss.
Gruppen, für die Microdosing mit größeren Risiken verbunden ist
Laut dem MDI wird Microdosing nicht empfohlen für:
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Personen unter 18 Jahren
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die Kombination mit Alkohol oder anderen Drogen
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die Anwendung während der Schwangerschaft oder Stillzeit
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Menschen mit Psychosen in der Familiengeschichte
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Menschen in Phasen intensiver emotionaler Traumatisierung oder Instabilität
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Personen mit bereits bekannten Herz- oder Herzklappenveränderungen oder anderen Herzproblemen
(Microdosing Institute, o. J.)
Was sagen Fadiman & Gruber?
In ihrem Buch Microdosing for Health, Healing and Enhanced Performance geben Fadiman & Gruber einen umfassenden Überblick über die Geschichte, Erfahrungsberichte und die laufende Forschung zu Microdosing (Fadiman & Gruber, 2021).
Entscheidend ist ihr Hinweis: Dass viele Anwenderinnen und Anwender von positiven Veränderungen berichten, bedeutet nicht, dass Microdosing risikofrei ist. Integration, Selbstbeobachtung und Kenntnisse über Kontraindikationen bleiben unerlässlich. Sie stützen sich dabei auf Tausende Erfahrungsberichte — betonen jedoch, dass diese nicht mit kontrollierten klinischen Studien gleichzusetzen sind (Fadiman & Gruber, 2021).
Praktische Hinweise für alle, die Microdosing dennoch erwägen
Den Leserinnen und Lesern von Microdose.nl möchten wir die folgenden Hinweise mitgeben:
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Führen Sie ein Protokoll: Notieren Sie Datum, Dosis, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen — so erkennen Sie Muster schneller.
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Beginnen Sie mit einer sehr niedrigen Dosis, insbesondere bei den ersten Anwendungen, und beobachten Sie, wie Körper und Geist reagieren.
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Planen Sie Ruhephasen zur Auswertung ein: Viele Protokolle empfehlen Pausen, um eine Toleranzentwicklung zu vermeiden.
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Betrachten Sie Ihren Kontext kritisch: Microdosing ist weder eine Abkürzung noch ein Wundermittel; die Wirkungen unterscheiden sich von Mensch zu Mensch erheblich.
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Kombinieren Sie Microdosing ohne fachkundige Beratung niemals mit anderen potenziell riskanten Substanzen oder Medikamenten.
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Prüfen Sie Rechtslage und Sicherheit: In den Niederlanden gelten gesetzliche Rahmenbedingungen, und Substanzen außerhalb eines kontrollierten Umfelds bringen zusätzliche Risiken mit sich.
Warum dieses Risikobewusstsein wichtig ist
Microdosing stößt auf große Begeisterung — und das nicht ohne Grund: Einige Studien zeigen beispielsweise Verbesserungen der Stimmung und Kreativität (John Hopkins, 2021).
Begeisterung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass alle Risiken verschwunden sind. Auf der Website des MDI heißt es:
„Die Risiken von Microdosing hängen von der jeweiligen Situation, Person und Substanz ab … das vollständige Ausmaß der Risiken ist noch nicht bekannt.“ (Microdosing Institute, o. J.)
Dieses Risikobewusstsein ermöglicht es Anwenderinnen und Anwendern, fundiertere Entscheidungen zu treffen — und verhindert, dass Microdosing als naiver oder unvorbereiteter Enthusiasmus dargestellt wird.
Fazit zu den Risiken von Microdosing
Microdosing bietet möglicherweise interessante Chancen, ist jedoch keineswegs risikofrei. Psychische Nebenwirkungen wie verstärkte Angst oder Instabilität, körperliche und kardiovaskuläre Risiken, Tinnitus sowie Unsicherheiten bei Dosierung und Kombination mit anderen Faktoren machen ein vorsichtiges Vorgehen erforderlich. Sowohl Fadiman & Gruber (2021) als auch die Organisation MDI betonen, dass ein verantwortungsvoller Umgang, Wissen und Selbstbeobachtung im Mittelpunkt stehen sollten.
Wenn Sie Microdosing erwägen, gehen Sie respektvoll, vorbereitet und mit einem klaren Plan vor. Berücksichtigen Sie Ihre persönliche Gesundheitssituation, seien Sie ehrlich zu sich selbst und sorgen Sie für geeignete Unterstützung.
Die Informationen in diesem Artikel dienen ausschließlich der Aufklärung und Sensibilisierung. Microdose.nl erteilt keine medizinische Beratung. Setzen Sie Medikamente niemals ohne Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt ab und ändern Sie auch nicht deren Dosierung.
Quellen
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Fadiman, J., & Gruber, J. (2021). Microdosing for Health, Healing and Enhanced Performance. Center for Minds.
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Microdosing Institute. (o. J.). Risks, safety & side effects of microdosing.
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Microdosing Institute. (o. J.). Risk: chronic psychedelic microdosing & valvular heart disease. Abgerufen über microdosinginstitute.com
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Welt.de. (2023). LSD: Besser drauf, konzentrierter, kreativer … ohne Rausch? Abgerufen über welt.de